Die alten Griechen hatten mehr als eine Methode, die Zeit zu begreifen. Sie kannten nicht nur das Konzept von Chronos, der die Zeit in Stunden misst, oder von Aeon, der die großen Zeitspannen beschreibt, sondern auch das Konzept von Kairos, dem Gott der günstigen Gelegenheit. Kairos, der nur manchmal Möglichkeiten für Veränderung eröffnet. Kairos, der jederzeit ganz unvermittelt erscheinen kann und uns auffordert, die Gelegenheit beim Schopf zu fassen. Kairos wird dementsprechend als junger Mann dargestellt, der eine Stirnlocke, einen Schopf trägt, dessen Hinterkopf aber kahl rasiert ist. Das bedeutet: wer Kairos beim Schopf packen will, muss schnell und beherzt zugreifen. Zögern wir zu lange und Kairos ist vorbeigelaufen, kriegen wir ihn nicht mehr zu fassen.
Und wer kennt sie nicht, diese Situationen, in denen uns das Schicksal herausfordert, während wir unsere üblichen Tätigkeiten abspulen, uns über die üblichen Dinge ärgern, die gewohnten Menschen treffen, die gewohnten Gedanken denken. Wenn sich plötzlich ein schwerer Vorhang zur Seite schiebt und für einen Moment den Blick auf eine mögliche andere Realität freigibt, auf eine mögliche neue Zukunft.
Es kann sich dabei um alles Mögliche handeln. Ein Moment der Zivilcourage. Eine Stellenanzeige, die sich wie ein Traum anhört, den man nicht laut auszusprechen wagt, für den man aber alles hinter sich lassen müsste, was sich sicher anfühlt. Ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Eine Begebenheit, die zu Radikalisierung führt. Eine Begegnung. Eine Gelegenheit, eine Chance. Eine Einladung, ein Vorstoß ins Unbekannte. Überall dort sind wir gefragt: ignorieren wir den Impuls und gehen weiter auf dem bisherigen Weg? Oder greifen wir zu? Sind wir bereit für Verantwortung, für Veränderung, für Risiko, sind wir bereit, uns anzusehen, was das Schicksal uns bietet? Sind wir bereit, zu scheitern? Und wie geht es uns mit der Entscheidung, egal wie sie ausfällt?
Wir suchen Geschichten, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Das Genre wollen wir dabei offenhalten, die einzige inhaltliche Vorgabe lautet, dass es sich um Protagonist:innen handeln soll, die sich mit einer unverhofften Situation konfrontiert sehen. Ob es sich dabei um persönliche Erleuchtungs-Momente handelt oder um große, gesellschaftliche Themen, bei denen jemandem aufgrund der Missstände die Hutschnur reißt, oder um etwas ganz anderes, ist euch überlassen. Wir freuen uns auf eure Einfälle.
Generelles:
Formalia:
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Wir freuen uns immer über einen Bezug zu München, egal ob persönlich oder im Text, es ist aber keine Voraussetzung dafür, an der Ausschreibung teilzunehmen oder gar in die Anthologie aufgenommen zu werden. Diese Ausschreibung ist offen für alle!