Ausschreibungen

Kairos

Vom Zauber des Augenblicks
Herausgebend: Lilian Dexter und Andrea Stöckl

Die alten Griechen hatten mehr als eine Methode, die Zeit zu begreifen. Sie kannten nicht nur das Konzept von Chronos, der die Zeit in Stunden misst, oder von Aeon, der die großen Zeitspannen beschreibt, sondern auch das Konzept von Kairos, dem Gott der günstigen Gelegenheit. Kairos, der nur manchmal Möglichkeiten für Veränderung eröffnet. Kairos, der jederzeit ganz unvermittelt erscheinen kann und uns auffordert, die Gelegenheit beim Schopf zu fassen. Kairos wird dementsprechend als junger Mann dargestellt, der eine Stirnlocke, einen Schopf trägt, dessen Hinterkopf aber kahl rasiert ist. Das bedeutet: wer Kairos beim Schopf packen will, muss schnell und beherzt zugreifen. Zögern wir zu lange und Kairos ist vorbeigelaufen, kriegen wir ihn nicht mehr zu fassen.

Und wer kennt sie nicht, diese Situationen, in denen uns das Schicksal herausfordert, während wir unsere üblichen Tätigkeiten abspulen, uns über die üblichen Dinge ärgern, die gewohnten Menschen treffen, die gewohnten Gedanken denken. Wenn sich plötzlich ein schwerer Vorhang zur Seite schiebt und für einen Moment den Blick auf eine mögliche andere Realität freigibt, auf eine mögliche neue Zukunft.

Es kann sich dabei um alles Mögliche handeln. Ein Moment der Zivilcourage. Eine Stellenanzeige, die sich wie ein Traum anhört, den man nicht laut auszusprechen wagt, für den man aber alles hinter sich lassen müsste, was sich sicher anfühlt. Ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Eine Begebenheit, die zu Radikalisierung führt. Eine Begegnung. Eine Gelegenheit, eine Chance. Eine Einladung, ein Vorstoß ins Unbekannte. Überall dort sind wir gefragt: ignorieren wir den Impuls und gehen weiter auf dem bisherigen Weg? Oder greifen wir zu? Sind wir bereit für Verantwortung, für Veränderung, für Risiko, sind wir bereit, uns anzusehen, was das Schicksal uns bietet? Sind wir bereit, zu scheitern? Und wie geht es uns mit der Entscheidung, egal wie sie ausfällt?

Wir suchen Geschichten, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Das Genre wollen wir dabei offenhalten, die einzige inhaltliche Vorgabe lautet, dass es sich um Protagonist:innen handeln soll, die sich mit einer unverhofften Situation konfrontiert sehen. Ob es sich dabei um persönliche Erleuchtungs-Momente handelt oder um große, gesellschaftliche Themen, bei denen jemandem aufgrund der Missstände die Hutschnur reißt, oder um etwas ganz anderes, ist euch überlassen. Wir freuen uns auf eure Einfälle.

Um möglichst vorurteilsfreies Lesen zu gewährleisten, nennt bitte euren Namen nicht im Dokument selbst. Der Betreff der E-Mail soll den Titel der Geschichte beinhalten, damit wir Geschichten und E-mails zuordnen können.

Generelles:

Pro Autor*in ein Beitrag
Wir arbeiten mit CN (Content Notes), bitte schickt diese mit eurer Geschichte mit.
Wir benötigen eine Autor*innenvita, die nicht in demselben Dokument stehen darf wie euer Text.
Einsendung an: ausschreibung@muenchner-schreiberlinge.de
Einsendeschluss ist der 15. März 2026 bis 23.59 Uhr.

Formalia:

Länge: 15'000 - 20'000 Zeichen mit Leerzeichen
Dateiformat: doc, docx oder odt, Normseite
Anführungszeichen bitte mit »Chevrons«
Beim Verfassen der Geschichte dürfen keine KI-Programme (wie ChatGPT, oder ähnliche) verwendet werden: Gesucht sind von Menschen selbst erdachte und formulierte Texte, also authentische Schriftstellerei im klassischen Sinn.

Kein Beitrag darf die Rechte Dritter verletzen. Gewaltverherrlichung wie auch kriminelle, unsittliche oder diskriminierende Inhalte sind ausdrücklich nicht erwünscht! Die Rechte liegen bei den Autor*innen, Teilnahme erst ab 18 Jahre. Wir behalten uns vor, aus den eingesandten Geschichten eine Auswahl zu treffen. Die Geschichten erhalten bei Annahme ein Lektorat und Korrektorat, bitte plant entsprechend Zeit für die Überarbeitung ein.

Wir freuen uns immer über einen Bezug zu München, egal ob persönlich oder im Text, es ist aber keine Voraussetzung dafür, an der Ausschreibung teilzunehmen oder gar in die Anthologie aufgenommen zu werden. Diese Ausschreibung ist offen für alle!

Autor*innen erhalten einen Pauschalbetrag von 5 Euro als Honorar, ein E-Book als Beleg und können Print-Exemplare zum vergünstigten Preis erwerben.
Die Erlöse aus dem Verkauf der Anthologie kommen unserem gemeinnützigen Verein zugute.